Allein nach der Schwangerschaft
Allein nach der Schwangerschaft


Das erste halbe Jahr nach der Geburt meiner Tochter Vivien war ich alleinerziehend. Das war eine sehr schwere Zeit für mich. Denn meine Tochter war keines dieser ewigen Schlafkinder. Sie war und ist immer noch ein sehr aktives Kind. Sie braucht viel Aufmerksamkeit und ganz viel Liebe.
Meine Tochter kam im Dezember mitten im Studium zur Welt, es wäre mein 4. Semester gewesen. Dies habe ich aber pausiert. Trotzdem musste ich im Februar eine Prüfung nachholen und ab März gingen die ersten Vorlesungen wieder los. Ich studierte Wirtschaftsmathematik in Cottbus und dadurch das die Uni etwas kleiner ist, wurden bestimmte Fächer nur alle zwei Jahre angeboten. Das bedeutet, wenn ich im März nicht wieder zur Uni gehe, muss ich wieder zwei Jahre warten, bis ich dieses Fach belegen konnte. Somit brachte ich Vivien mit 3 Monaten zur Kita, drei Mal in der Woche. Also war ich vier Tage mit ihr zu Hause und 3 nicht. Das war schon nicht leicht das kleine Würmchen so zeitig abzugeben.


Aber fange ich mal weiter vorne an. Zu dem Zeitpunkt wo ich schwanger geworden bin, war mein „Freund“ (mein jetziger Mann) noch nicht bereit mit mir eine feste Beziehung aufzubauen. Ich verstand ihn und wir waren uns einig, dass wir beide Zeit brauchten für diesen Schritt.
Somit bekam ich im Dezember meine Tochter und ein halbes Jahr später zogen wir zu meinem Mann, und vier Jahre später heirateten wir. Trotzdem war ich das erste halbe Jahr alleine und musste alles selbst managen.


Saugen? Nein danke, ich nicht!
Das erste Problem war, dass Vivien nicht gestillt werden wollte, aber mir war es extrem wichtig, dass mein Kind Muttermilch bekommt, somit pumpte ich immer fleißig ab. Ein halbes Jahr hat Vivien auch nichts anderes bekommen. Das Schwierigste war, dass wenn sie Hunger hatte, dass ich ihr die Milch warm gemacht habe und sie gefüttert hab. Und dann musste ich anschließend mich hinsetzten und abpumpen. Wo ich sie nicht wirklich hochnehmen oder mich um sie kümmern konnte, wenn sie geweint hat. Und das tat sie leider öfters. Das abpumpen dauerte auch immer circa eine halbe Stunde. Das war sehr stressig und ich staune immer wieder was der Mensch alles aushält und schafft.


Uni und abpumpen
Als ich dann zur Uni gegangen bin, gab ich immer die Milch mit zur Kita. Ich habe dann abgepumpt bevor ich zur Uni gefahren bin und auf dem Weg nach Hause. Ich bin immer mit dem Zug gefahren, die Fahrt dauerte circa 45 Minuten. Auf dem Rückweg also setzte ich mich in die kleinste Ecke die ich finden konnte und holte mein Handpumpe raus und fing an abzupumpen (ich hielt immer ein Tuch davor). Zu Hause dann ab mit der Milch in den Kühlschrank und Vivien von der Kita geholt.


Für die Prüfungen lernen
Für die Uni musste ich auch noch nebenbei lernen. Das tat ich dann meistens beim Abpumpen. Falls es denn nämlich doch mal so war, dass Vivien schlief, wenn ich abgepumpt habe, dann nahm ich mir meinen Hefter (es war egal ob es mitten in der Nacht war oder nicht) und fing an zu lernen. Ich lernte natürlich auch, wenn meine Familie mir meine Kleine abgenommen haben, aber das hätte nicht gereicht um zu bestehen.
Ich habe die Prüfung bestanden, und auch die weiteren Prüfungen danach. Und nach dem Bachelor habe ich auch nicht aufgehört zu studieren, sondern habe noch den Master hinten ran gehangen. Es ist also möglich auch mit Kind seine Ausbildung, Studium oder Beruf weiter auszuüben. Es gibt immer einen Weg, aber es ist nicht der leichteste Weg.


Mein Motivationsmotto
Einen wichtigen Spruch den ich euch mitgeben möchte, den mein Bruder mir gegeben hat, ist:
„Auch dein Kind MUSS irgendwann mal schlafen“.
Wie ich eingangs schon erzählte war mein Kind keines dieser Schlafkinder. Sie war oft wach und weinte. Wollte nicht schlafen und hielt mich immer auf Trapp. Und dann stand ich da alleine, hatte keine Ahnung was ich machen soll oder wie ich sie beruhigen kann. Ich war selbst tot müde durch den Verlust meines Schlafrhythmus, dann habe ich immer an diesen Spruch gedacht. Und der hat mir Kraft gegeben, denn es ist Fakt, dass jeder Mensch Schlaf braucht und ihn sich irgendwann auch holt.